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Das Bildnis des Dorian Gray
Datum & Uhrzeit
Fr., 9. Okt. – So., 1. Nov.
Gruppe
Tags
Öffnungszeiten
Veranstalter
Schauspiel Frankfurt
Über dieses Event
Ran Chai Bar-zvis Inszenierung reduziert Oscar Wildes Roman zu einem intensiven, kühlen Dreipersonenstück in einer White‑Cube‑Galerie. Eine sich drehende Holz‑Wand und Kostüme von Belle Santos, die den Raum mit Lack, Latex und Silberglitzer fetischisieren, machen die Kammerspiele zur künstlichen Spielfläche. Im Zentrum steht der knabenhafte, androgyne Dorian (Mitja Over), der dem unglücklich verliebten Maler Basil (Miguel Klein Medina) Modell sitzt, während der dandyhafte Lord Henry (Stefan Graf, mit eiskaltem Charme an den Aphorismen Wildes schleckend) ihn zu hedonistischer Selbstsucht verführt. Das Flirten und Quälen zwischen den drei Männern ist so präzise getimt, dass die frühe Verführungssequenz beinahe glüht – die Spannung entlädt sich in einer Disco‑Einlage zu „Sweet Dreams“ von Eurythmics, die die ganze Bühne in Bewegung setzt. Das Stück bleibt nicht beim ursprünglichen Schluss. Nachdem der rote Vorhang gefallen ist, treten die drei Darsteller aus dem Rahmen und performen chorisch einen uraufgeführten Kommentar des Dramatikers Marcus Peter Tesch: ein direkter, manchmal vulgärer Monolog über Körper, Körperbilder und die gnadenlose Selbstvermarktung der Social‑Media‑Zeit. Er benennt den queeren Subtext, den Wilde nur andeuten konnte, und hält dem Publikum den Spiegel unserer eigenen Online‑Besessenheit vor. Evelyn Saylors Kompositionen pulsieren durch den Abend, und Frank Kraus’ Lichtdesign – mit Stroboskop und schnellen Lichtwechseln – betont die fragile Schönheit der Oberfläche. Mit knapp 90 Minuten ohne Pause ist die Inszenierung kompakt, präzise und bewusst auf Effekt gesetzt. Kritiken loben das ausdrucksstarke Spiel der drei Beteiligten, besonders Grafs zugleich faszinierenden und abstoßenden Lord Henry, und den gelungenen Spagat zwischen Wildes Witz und einem kritischen Blick auf den heutigen Narzissmus. Die Aufführung enthält explizit sexuelle Sprache und stilisierte Gewalt und richtet sich an Erwachsene sowie ältere Jugendliche.
Ort
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